Freitag, 19. August 2016

Rezension: M.R.C. Kasasian * Mord in der Mangle Steet

Gebundene Ausgabe: 397 Seiten
Verlag: Atlantik 
ISBN-13:
978-3455600513  
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: August 2016
Übersetzer: Johannes Sabinski & Alexander Weber




Inhalt:
March Middelton ist nach dem Tod ihres Vaters allein und kann das Haus mit dem Anwesen von ihren spärlichen Vermögen, nicht halten. So greift sie auf das Angebot ihres Patenonkels zurück und zieht zu ihm nach London. Nun ist ihr Vormund kein unbeschriebenes Blatt, denn Sidney Grice, ist der berühmteste Detektiv von ganz England und liebt es knifflige, gut bezahlte Fälle zu lösen. Kaum ist March angekommen, wird sie auch schon in einem Fall unfreiwillig hineingezogen und erlebt die Ermittlungen hautnah mit. Der Fall ist für Sidney schnell klar, ein brutaler Mord an einer Frau und nur der Ehemann kann die Schuld haben und muss der Mörder sein. March zweifelt sehr an dem Können ihres Patenonkels und hält dagegen, unmöglich kann dieser treue gutherzige Mann, etwas mit dem Verbrechen zu tun haben. Wer von beiden wird wohl recht haben? Wird eine Zusammenarbeit überhaupt funktionieren? Und kann, sich March überhaupt, in dieser Männerwelt durchsetzten, oder sogar behaupten?

Meinung:

Ich habe ja einem Faible für alte Detektivgeschichten und liebe einfach die Klassiker, Sherlock Holmes, Miss Marple und wie sie alle heißen. Nun sprach mir dieses Cover, und der dazugehörige Inhalt direkt an und ich dachte mir, das könnte doch was für mich sein. Als ich die ersten Seiten gelesen hatte, legte sich ein leichtes Lächeln auf mein Gesicht und ich konnte damit nicht mehr aufhören.

Wir befinden uns im London des Jahres 1882 und die Atmosphäre wurde hier herrlich eingefangen, man konnte die Pferdekutschen vorbei fahren hören, die dunklen schmutzigen Ecken riechen und das Feuer im Kamin vor Augen sehen. Sprich, man befand sich mitten im alten London und hoffte, für die Geschichte, die richtigen Schuhe gewählt zu haben, um mit den beiden Ermittlern mithalten zu können. Dieses Flair und das ganze drum herum hat richtig Spaß gemacht und knüpft auch an die große Zeit der beliebtesten Detektivgeschichten an. Man taucht einfach ab, in eine andere Welt und lässt sich berauschen, aber der absolute Star des Ganzen sind die Figuren.

Sidney Grice, ist unsympathisch, arrogant, total von sich überzeugt und weckt einfach eine große Abneigung. Dazu kommt noch, dass er klein und dünn ist, ein Glasauge trägt und mega eitel ist. Er sieht einfach gerne auf Leute herab, macht sich über sie lustig und meint es mit seiner Umwelt nicht immer gut. Das zumindest ist der erste Eindruck, denn er versucht lange seine Ego-Fassade aufrechtzuerhalten, aber im Laufe der Geschichte fängt sie doch an zu bröckeln, das macht ihn am Ende nicht zum netten Mitmenschen, denn seine Hintergründe sind nicht immer die Edelsten, aber es weckt Interesse, große Neugier beim Leser, was noch alles im verborgenen bei Sidney lauert und was wirklich hinter seiner überheblichen Fassade steckt.

Aber der heimliche Star des Ganzen ist, für mich, March Middelton. Eine junge Frau, die in ihre Zeit nicht ganz passt und etwas unkonventionell daher kommt. Ihr Vater war Arzt und auch in Indien, dorthin hat er auch seine Tochter mitgenommen, dadurch hat sie schon viel erlebt und gesehen und doch muss sie sich als Frau klein machen, in der Gesellschaft der Männer. Aber March lässt sich vieles nicht gefallen und schlägt mit ihrem Mundwerk, ihrem Humor und ihren Tricks zurück. Außerdem raucht sie ganz gern und ein Gläschen Gin gönnt sie sich auch. Sie ist eine toughe Frau, aber auch sie hat ihre Geheimnisse und trägt eine traurige Vergangenheit mit sich rum. Ich mochte sie von der ersten Seite an und habe bei jedem kleinen Erfolg von ihr, mit gejubelt.

Das Zusammenspiel von Sidney und March macht die Geschichte außergewöhnlich und sehr unterhaltsam. Ihre Wortgefechte, ihr Augenrollen, ihre Fragen, seine Seufzer über die dummen Frauen, seine allein Gänge und seine arrogante Art, macht dieses Buch zu einem wahren Lesegenuss. Ich persönlich würde sie nicht mit anderen Ermittlern zu dieser Zeit vergleichen, denn der Autor hat hier wirklich was Eigenes geschaffen, was sich nicht verstecken muss und kein Abklatsch von alt Bekannten ist. Es lies sich schnell und flüssig lesen, trotz der gewählten etwas steifen Ausdrucksweise und passte sich somit wunderbar ins Bild. Auch der Fall gestaltete sich interessant und war wirklich kniffelig.

Dieses Buch lebt von der tollen Atmosphäre, den wirklich interessanten Figuren und dem schwarzen Humor. Und obwohl es manchmal ein paar Längen hatte und man sich fragte, was kommt noch, hatte ich wirklich Spaß an der Geschichte. Hier können wir wirklich noch auf einiges gespannt sein, denn die Bewohner der Gower St. ermittelt bestimmt wieder.
 
Henry und ich fanden dieses Duo höchst gelungen und vergeben die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:   

MRC Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen. Er hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter lebt er in Malta. Sein Roman Mord in der Mangle Street ist der Auftakt einer Reihe. 
  
Quelle: Atlantik Verlag

Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

Mittwoch, 17. August 2016

Rezension: Delphine de Vigan * Nach einer wahren Geschichte


Gebundene Ausgabe: 350 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13:
978-3832198305 
Preis: 23,00 EUR
E-Book: 18,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: August 2016
Übersetzer: Doris Heinemann




Inhalt:
Delphine ist nach ihrem letzten Roman ausgebrannt, diese Geschichte über ihre Mutter hat Spuren hinterlassen und große Aufmerksamkeit bei ihren Lesern. Je mehr man sie darüber ausfragt, umso mehr möchte sie einfach nur weglaufen. So nutzt sie eine Partyeinladung aus, um auf andere Gedanken zu kommen und lernt eine Frau kennen. Sie fühlt sich sofort verstanden und fasziniert. Es beginnt eine enge Freundschaft, bis Delphine von ihrem neuen Buchprojekt erzählt und ihre Freundin L. missstimmig darauf reagiert. Für Delphine bricht Stück für Stück der Autorenalltag weg und auch ihre Kraft zum Schreiben, sie steckt in einer festen Krise und wird allein von L. aufgefangen. Diese hilft ihr, steht ihr bei allem bei, und meistert mit ihr ihre Arbeit und das alles in Delphine‘s Namen, denn es darf ja keiner wissen, wie es um sie steht. Keiner weiß von dieser Frau, keiner kennt sie, Delphine spricht nicht über sie und L. ist nie zugegen, wenn Familie oder Freunde da sind. L. übernimmt immer mehr Delphine‘s Leben und wird ihr mit jedem Tag ähnlicher und es dauert lange, bis Delphine merkt, dass sie eine Gefangene in ihrem eigenen Leben ist. Wird es da schon zu spät sein? Was hat L. vor? Wie weit wird sie gehen? Und warum ist Delphine so blind?

Meinung:
Als mir das Buch vorgestellt wurde, war ich sofort von der Thematik, Wahrheit mit Fiktion zu vermischen, angetan, begeistert, fasziniert. Immerhin spielt die Autorin mit ihrem Leser und man möchte doch wissen, wie gelingt ihr das. Wie sehr beschäftigen uns Bücher über wahre Geschichten, oder nehmen wir fiktive Geschichten genauso ernst. Was macht das eine oder andere so besonders, das habe ich mich nämlich ständig gefragt und ich glaube, ich bin für beides schwer zu haben. Aber diese Mischung war wirklich unglaublich gut und gemein.

Die Tatsache ist, Delphine de Vigan ist Autorin, lebt in Paris und ihr letzter Roman war tatsächlich über ihre eigene Mutter, die den Freitod gewählt hat und von ihrer Tochter gefunden wurde. Da steigt auch unsere Geschichte ein, Buchmessen, Lesungen, Interviews und das Gefühl nicht mehr zu können. Die Beschreibungen, wie viel es der Autorin abverlangt, immer wieder darüber zu sprechen, mit ihrer eigenen persönlichen Geschichte konfrontiert zu werden und wie langsam die Kräfte schwinden, war total nachvollziehbar. Natürlich möchte sie für ihre Leser das Beste geben, keinen enttäuschen und doch kann sie nicht mehr. Dass man in einer solchem Situation anfälliger ist, konnte ich auch sehr gut verstehen. So fühlt sich eben unsere Autorin oder Delphine aus dem Buch zur Fremden L. hingezogen, weil diese sie einfach versteht, den Moment nachvollziehen kann und ihr irgendwie Kraft spendet. Das ist somit der erste Abschnitt im Buch, das Kennenlernen, im Leben des anderen auftauchen und sich verankern. Wie schleichend so ein Prozess sein kann, einer Fremden zu vertrauen, wie schnell die Phase des blinden Verstehens einsetzt und wie schnell man nichts mehr hinterfragt, beschreibt dieses Buch ganz ausgezeichnet.

Überhaupt spielt unsere Autorin gut mit uns, ganz oft fragt man sich dabei, was ist wirklich passiert und denkt gleichzeitig, das ist ja nur ein Buch. Dieses Hin und Her schalten der Gedanken macht einen großen Spannungsbogen aus und lässt einen diese Geschichte weiter lesen und weiter in die Wirrungen hinabziehen. Außerdem wird diese Geschichte aus der Vergangenheit erzählt, Delphine erzählt uns ihre Erlebnisse mit L. und immer wieder gibt sie kleine Anmerkungen, die uns zum Lesen vorantreiben und tiefer in diesen Strudel aus Wahrheit und Fiktion verwebt.

Delphine de Vigan schafft mit ihrem Schreibstil eine ganz eigene Atmosphäre, sie ist, je weiter der Roman voranschreitet düsterer, schwerer, erdrückend. Manchmal fiel es wirklich schwer die wortreichen Beschreibungen zu ertragen und nicht selber in ein tiefes Loch zu fallen. Ihre Verschmelzungen waren wirklich geschickt aufgebaut und nicht wahrnehmbar, wo jetzt das Wahre anfängt und die Fiktion aufhört. Überhaupt schwirren einen beim Lesen viele Fragen durch den Kopf. Ab wann vertraut man so blind, oder, warum spricht man nicht mit seiner Familie darüber, kann man sich selber so ins Aus verstricken. Eine absolute Horrorvorstellung und mit jedem Satz sehr geschickt eingefädelt.

Ein wirklich geschicktes Buch und ein Spiel mit der Wahrnehmung, sehr interessant erzählt und teilweise düster umgesetzt. Für mich manchmal schwer zu ertragen, da dieses drückende Gefühl mir sehr nahe ging. Aber für jeden, der böse psychische Spiele mag, ein Lesegenuss.

Henry und ich fanden, diese Geschichte faszinierend und vergeben dafür vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 


Delphine de Vigan, geboren 1966, gelang mit ›No & ich‹ (2007) der Durchbruch als Schriftstellerin. Seit dem Roman ›Das Lächeln meiner Mutter‹ (2010), der wochenlang die französische Bestsellerliste anführte, zählt sie zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren Frankreichs. Sie lebt mit ihren Kindern in Paris.

Quelle: Dumont Verlag


Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Montag, 15. August 2016

SOMMERPAUSE ...

 
Hallo meine Lieben,

endlich ist es so weit und die Bakers haben Urlaub, was sind wir froh, dass es endlich freie Zeit und Erholung gibt. Wir verabschieden uns hier auf der Bloggseite für drei Wochen und werden ganz viel lesen, lesen, lesen ...

Aber so ganz ruhig wird es nicht bleiben, aktuelle Rezensionen wird es wohl ab und zu geben, also bleibt gespannt. Außerdem werde ich auf Instagram, Facebook und Twitter immer noch posten. Also ab in den Urlaub ...

Ganz liebe Grüße
Eure urlaubsreifen Jack und Sharon