Montag, 23. Februar 2015

Die Buchhändlerin erzählt

Hallo ihr Lieben,
ich wünsche euch einen tollen Start in die Woche. 

Vielen Dank für eure vielen Fragen und lieben Kommentare zu den letzten zwei Posts. Ich hoffe, ihr konntet einen kleinen Einblick in meine Ausbildung bekommen!

Heute soll es aber um etwas ganz anderes gehen. Ich möchte euch heute nämlich etwas über Gedicht-Bände erzählen. Aufgrund der ganzen anstehenden Klausuren komme ich derzeit leider nicht wirklich dazu einen Roman zu lesen - dafür fehlen mir die Zeit und die Konzentration. Und was wäre da passender als Gedichte zu lesen?

Ich bin eine große Freundin von Gedichten, vor allem in der Original-Sprache. Ich habe nämlich immer das Gefühl, dass die Übersetzungen dem Original einfach nicht gerecht werden. Wenn die inhaltliche Übersetzung stimmt, passt das Reimschema meist nicht oder umgedreht. Das finde ich immer sehr schade.

Besonders schön finde ich dann zweisprachige Gedichtbände, selbst wenn ich die zweite Sprache nur kaum bis gar nicht kann. Einfach weil ich dann einen Eindruck vom Original bekomme, aber eben auch die inhaltliche Übersetzung habe.

Eine wundervolle Autorin von Gedichten ist Emily Dickinson. Ich finde, man sollte wenigstens ein paar Gedichte von ihr gelesen haben, auch wenn sie vielleicht nicht jedem gefallen mögen. Sie ist eine unglaublich wichtige Autorin der amerikanischen Literaturgeschichte. Eine zweisprachige Ausgabe von ihr gibt es zum Beispiel vom Reclam Verlag. Eine schönere Ausgabe für's Bücherregal wäre zum Beispiel vom Fischer Verlag.

Ebenfalls ein schöner Band ist von Rainer Kunze: "Ein Tag auf dieser Erde". Ich finde diesen Band sehr außergewöhnlich. Der Autor schreibt auf deutsch, es ist also keine Übersetzung. Außerdem nutzt er kaum bis keine Groß- und Kleinschreibung. Das finde ich irgendwie faszinierend.

Und noch ein letzter eher ungewöhnlicher Gedicht-Band für euch: "Gestalt des letzten Ufers" von Michel Houellebecq. Diese Gedichte sind aus dem Französischen übertragen und obwohl ich nur sehr wenige Worte dieser Sprache verstehe, war es wirklich schön zu sehen, wie der Autor die Gedichte ursprünglich geschrieben hat. Wann sie sich reimen sollten, und wann sie es in der Übersetzung wirklich tun.

Durch diese zweisprachigen Ausgaben bekommt man meiner Meinung nach einfach einen besseren Eindruck vom Autoren. Natürlich sind Übersetzungen wichtig und schwer, aber sie verfälschen natürlich auch unser Bild vom eigentlichen Schöpfer des Werkes. Deshalb bin ich eine große Freundin dieser zweisprachigen Bände. 
Außerdem sind Gedichte manchmal eine richtige Erholung, manchmal kompliziert. Einige muss man wirken lassen, andere verschlingt man förmlich. Sie sind, obwohl viel kürzer, manchmal einfach sprachgewaltiger und inhaltlich aufreibender als Romane. 

Damit wünsche ich euch noch einen tollen Montag und hoffe, dass ihr auch ab und an mal das ein oder andere Gedicht lest! ;-)

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal,
Eure Quietschie 

Kommentare:

  1. Sali, Nadine.
    Zur Persönlichkeit der Dichterin Emily Dickinson scheinen mir folgenden Worte die Ansprechenden zu sein...

    "You might not see them lovely people, but your Words meet instead. For you being the silent audience of them all."
    (Saoirse O'Boinor)

    Lyrik im Original ist ihre eigene Meeresbrandung; so bleibt Übersetzungen in der Regel lediglich eine Annäherung an die Dichte der wortgeformten Sätze. Wie Du schreibst, ist aber selbst die rudimentäre Erfaßung der Originalzeilen bereits ein anderes Erleben.
    Wobei Übersetzungen den Fremdsprachlern helfen den Fuß in die Tür zu bekommen. Ohne wäre Shakespeare nur ein Fachbereich für Anglisten geblieben, denke ich.

    "Bright my star in sky. For nobody is as close as you - to me."
    (Saoirse O'Boinor)

    Feiner Post.

    bonté

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    1. Lieber Robert,
      bitte entschuldige, dass ich dir erst jetzt antworte.
      Deine beiden Zitate gefallen mir wirklich gut. Vielen Dank erst einmal dafür! Ich kann dir bei allem, was du schreibst nur zustimmen. Und ja, vor allem Shakespeare gehört zu den Dichtern, die ohne Übersetzung wirklich kompliziert sind. Dennoch bin ich froh, ihn im Original lesen und teilweise sogar verstehen zu können!

      Vielen Dank und einen schönen Abend.
      Liebe Grüße,
      Nadine

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    2. ...pas de probleme. Immerhin bist Du derzeit wohlbeschäftigt: Klausur hier, Klausur da. :-)

      "To be, or not to be, that is the question:
      whether 'tis nobler in the mind to suffer
      the slings and arrows of outrageous fortune,
      or to take arms against a sea of troubles,
      and by opposing, end them? To die: to sleep..."
      (old William Shakespeare)

      bonté

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