Freitag, 4. September 2015

Rezension: Jax Miller * Freedom's Child

Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Rowohlt
ISBN-13: 978-3499269752
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Juli 2015

Übersetzer: Jan Schönherr




Inhalt: 
Ihr Name ist Freedom Oliver und sie ist im Zeugenschutzprogramm, weil sie ihren Mann erschossen, es ihren Schwager in die Schuhe schob und, so ihre Kinder verloren hat. Ihr altes Leben liegt hinter ihr, aber es lässt sie nicht los. In ihrem neuen Leben, raucht und trinkt sie und lässt sich von niemanden etwas sagen. Das hat zur Folge, dass sie einen zwielichtigen Ruf hat und so ihren Personenschützern das Leben schwer macht. Nur nachts gibt sie der Sehnsucht nach und folgt ihren Kindern in den sozialen Netzwerken und erlebt so ihr heranwachsen. Bis zu dem einen Tag, wo ihre Tochter verschwindet, der Schwager aus dem Gefängnis kommt und Rache schwört und Freedom weiß, jetzt ist die Zeit gekommen, sich nicht mehr zu verstecken und wieder aufzutauchen, um zu kämpfen. Wird sie ihre Tochter finden? Kann sie sich vor ihrem Schwager retten? Und welche Qualen werden noch auf sie warten?

Meinung:
Ich liebe das Cover, ich liebe den Klappentext und jetzt liebe ich auch die Geschichte. Dieses Buch ist genau meins und trifft meinen Geschmack. Es ist herrlich geschrieben, mit vielen bösen Stellen und gemeinen Humor, der schwarz ist und manchmal richtig bitter. 

Wir starten mit einem Prolog der es in sich hat und wir uns fragen was ist passiert? So war ich direkt gefesselt und konnte gar nicht so schnell weiter lesen, wie ich mochte. Ein geschickter Auftakt und dann geht es eigentlich erst von vorne los. Wir lernen Freedom kennen, die Freedom die in einer Bar arbeitet und seit über zwanzig Jahren mit ihren Leben nicht klarkommt. Zuerst ist man über ihre Trinkerei und ihre raue Art erstaunt, ihr scheint alles Scheiß egal zu sein und wartet nur auf die nächste Konfrontation. Aber trotzdem spürt man, dass unter alle diesem Auftreten eine Frau steckt, die ihren Schmerz und ihre Trauer nicht verarbeiten kann. Erst langsam erfahren wir, was hinter allem steckt und man wundert sich dann so gar nicht mehr, über ihre Art und ihre Einstellungen. Aus einem jungen Mädchen, das sich in einen Badboy verliebt hat und unter Erniedrigungen und Misshandlungen leben musste, ist eine starke Kämpferin hervor gekommen, die man nicht unterschätzen sollte. Allerdings lernen wir sie zu einem Zeitpunkt kennen, wo für sie ihr Leben keinen Sinn mehr macht, und das Einzige, was für sie zählt, sind ihre Kinder. Freedom ist eine richtige Kratzbürste, aber sie wächst einem sehr ans Herz.

Die Geschichte wird aber nicht nur von Freedom allein beschritten, auch ihr Sohn kommt zu Wort und einige andere Charaktere. So wird das Geschehene aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und die Figuren immer wieder anders gespiegelt. Auch erfahren wir durch Freedoms Briefe an ihre Kinder, was damals wirklich passiert ist und was sie durch machen musste. Ich fand das spannend und klasse gemacht. Überhaupt hat sich die Autorin unheimlich viel Mühe gegeben mit ihren Charakteren und so hat sie von böse bis sympathisch alles dabei. Wir haben die Leute aus der Unterschicht dabei, die kriminell und die einfach schrecklich sind, aber auch den besorgten Polizisten, der auch gern unter die Schicht aus Alkohol und dummen Sprüchen schaut. Auch wenn vieles schräg daher kommt und man über einige Handlungen den Kopf schüttelt, ist es die beste Unterhaltung und warum auch nicht. Warum mal keine Heldin die dumme Sprüche macht und leider auch ein bisschen zu tief ins Glas schaut. Warum keine Frau die zur Löwin wird, wenn es um ihre Kinder geht und das auf eine brutale Art und Weise. Ich sage, doch genau so was muss man auch haben. Es ist mal sehr abwechslungsreich und herrlich erfrischend.

Aber besonders gut hat mir die Art gefallen, wie die Autorin ihre Geschichte aufbaut. Immer wieder bekommen wir kleine Häppchen aus dem momentanen Geschehen und der Vergangenheit, was einfach neugierig macht und einen gespannt weiter lesen lässt. Außerdem entwickelt sie mehrere Handlungsstränge, die erst verwirren und dann in einem explosionsmäßigen Showdown enden. Diese Geschichte baut einen unglaublichen Sog auf und man ist einfach begeistert dabei und möchte miterleben, was mit Freedom noch alles passiert. Diese Atmosphäre so düster und schmuddelig und doch mit kleinen Lichtquellen ist einfach unheimlich gut inszeniert. Und zu guter Letzt der Humor, der wirklich schwarz ist, schwarz wie manche Seele in den Figuren. So schwarz wie das Leben, wenn man auf der Verliererseite steht und es nur noch mit Humor ertragen kann. 

Jax Miller ist hier eine ganz besondere Geschichte gelungen. Nicht umsonst ist sie in Irland, wo ihre Wurzeln her sind, total gehypt. Sie spielt mit den Abgründen der Menschheit, mit dem Hass, der Eifersucht, der Gier, mit dem Größenwahn, dabei hat sie eine Starke und zugleich doch sensible Helden geschaffen, die uns mit unglaublichem Tempo durch die Ereignisse führt. Dabei wird es nie langweilig zu lesen und voran wohl auch die actionreichen Szenen nicht ganz unschuldig sind. Dieses Buch muss einfach verfilmt werden, den genau das würde ich mir gern im Kino ansehen und dazu eine große Packung m&m‘s. Bitte mehr von Jax Miller!!

Henry und ich hatten mit dem Buch eine verdammt gute Zeit und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Jax Miller ist New Yorkerin mit irischen Wurzeln, erst 28 und gilt als herausragendes Talent. Ihr erstes Buch stand auf der Shortlist für den CWA debut dagger. Ihr richtiger Name ist Aine O' Domhnaill.


Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hi Sharon,

    kaum habe ich begonnen, deine Rezi zu lesen und schon nach diesem Satz

    "Es ist herrlich geschrieben, mit vielen bösen Stellen und gemeinen Humor, der schwarz ist und manchmal richtig bitter."

    stand für mich fest - muss ich unbedingt lesen!!! :D Sehr schön geschrieben, meine Liebe und ich ich freue mich auf diese Geschichte, denn sie klingt verdammt genial :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo mein lieber Uwe,

      na da, bist du ja wirklich nicht weit gekommen ...lach... aber ich freu mich riesig, wenn meine Rezi dazu beiträgt, dieses Buch zu lesen! Ich hatte so viel Spaß damit und super Unterhaltung :-) Bin also sehr gespannt wie du es dann finden wirst ... und tausend Dank, ich freu mich so sehr :-)

      Eine dicke Umarmung
      Sharon

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