Samstag, 9. April 2016

Rezension: Andreas Izquierdo * Romeo & Romy


Broschiert: 491 Seiten
Verlag: Insel Verlag
ISBN-13:
978-3458361411

Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: April 2016 



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Inhalt:
Romy hatte große Träume, als sie ihr Dorf und ihre Heimat verlies, sie wollte Schauspielerin werden, und zwar eine ganz Berühmte. Aber gelandet ist sie leider unter der Bühne und mimt die Souffleuse. Allerdings auch nicht sehr lange, denn nach einer katastrophalen Premiere, einen kurzen Flirt mit dem Hauptdarsteller Ben und der erschreckenden Nachricht, dass ihre Großmutter verstorben ist, wird sie gefeuert. So kehrt sie allen den Rücken und tritt die Heimreise an, was da allerdings auf Romy wartet, ist auch nicht erbaulich. Das Dorf besteht, fasst nur aus Alten und diese haben nichts Besseres zu tun, als sich um die letzten zwei Plätze auf dem Friedhof zu schlagen, sonst müssen sie ins Nachbardorf bestattet werden und das geht gar nicht. Romy ist also immer in Sorge, um das Leben von geliebten Menschen und frustriert, weil in ihrem Leben nichts geklappt hat. Sie schwebt ein bisschen im Nichts, bis sie eines Tages den verrückten Plan schmiedet, ein elisabethanisches Theater zu bauen. Wozu hat man eine Scheune, die keiner braucht und so könnte sie ihren Traum von, den Brettern die, die Welt bedeuten, selbst verwirklichen. Romy ist elektrisiert und steckt das ganze Dorf damit an, es kommt Leben auf und nimmt so ganz ungeahnte Bahnen. Wird ihr Plan ein Theater zu bauen glücken? Wird es zu einer Aufführung kommen? Was hat sich Romy dabei gedacht, Ben zu engagieren? Und warum knistert es so gewaltig zwischen den beiden, ohne dass Romy es mitbekommt? Und wird es noch Stress wegen des Friedhofs geben?

Meinung:
Ein neuer Roman von Andreas Izquierdo und ich gerate in totaler Verzückung, denn seine Geschichten sind immer was ganz Besonderes. Dieser Autor beherrscht es unglaublich gut, Witz, Charme und Leichtigkeit mit ernsten Themen zu verknüpfen und aus sprudelnder Unterhaltung, Tiefe und Weisheiten einzubauen. Das man nach jedem Buch, das man verschlungen hat, sich schwer davon lösen kann und das Herz noch lange schneller schlägt. Nun erzählt er zum ersten Mal, für mich zumindest, aus weiblicher Sicht und wir lernen Romy kennen.

Romy ist in einem Dorf im tiefsten Sachsen aufgewachsen. Ihre Mutter ist früh gestorben und ihr Vater schon vor ihrer Geburt nach Russland zurückgekehrt. So haben sich ihre Großmutter und alle Bewohner um sie gekümmert und deshalb ist Großzerlitsch ihre Familie. Für die alten Leute ist Romy was ganz wunderbares, jeder glaubt an sie, auch wenn sie es mit ruppiger Art rüberbringen. Romy allerdings sieht sich ganz anders, in die Theaterwelt, wohin sie immer wollte, hat es nicht geklappt, sie ist verunsichert, kehrt sich gern unter den Scheffel und das macht sie für mich als Leser so unglaublich sympathisch. Sie ist dieses Mädchen von nebenan, wie du und ich und man begleitet sie gern auf ihrem Weg. Man möchte sie öfters mal schütteln und ihr den Kopf waschen, sie vor Dummheiten und ihrer Naivität bewahren und gleichzeitig möchte man doch sehen, was daraus wird. Romy liebt ihre Leute und das gibt ihr die Kraft für das Unmögliche, denn sie nimmt ihre Träume in die Hand und will sie unbedingt verwirklichen, aber nicht nur für sich, sondern weil es alle zusammenbringt und sie immer mehr zusammenwachsen.

Überhaupt hat Andreas Izquierdo seine Geschichte mit tollen Figuren bestückt, da gibt es den Motzenden, die zankenden alten Damen, der immer zum dummen Spruch aufgelegte, die etwas Verrückte und der Eine, dem sie alle vertrauen, so fühlt sich die Gemeinschaft quirlig, liebenswert und lebendig an. Da das Dorf weit ab vom Schuss ist, ist es auch wie ein eigenes kleines Universum, jeder kennt jeden und das, bringt nicht immer nur gute Seiten mit sich. Der Autor nimmt sich diesen Problemen an und zeigt sehr facettenreich, wie unterschiedlich die einzelnen Schicksale sind und wie sie sich trotzdem miteinander verschmelzen und welche Kraft so ein Theaterbau entwickeln kann.

Ich war wieder mit seinem Figuren nah dabei und habe alles genau vor Augen gesehen und trotzdem, konnte es mich nicht ganz packen. Der Einstieg war schon recht anstrengend, bis dann das Ganze fahrt aufnimmt, wird es immer wieder von einzelnen Erzählsträngen abgebremst und für mich blieb die Liebesgeschichte ein bisschen zu blass. Ich glaube, hier ist es wirklich ein Problem gewesen, das ich seine Vorwerke schon kenne, diese waren so berauschend und hier kam nicht ganz so Fahrt auf. Der Kern, die Figuren und die Idee waren unglaublich gut, aber für mich hätte es zügiger sein können und einige Augenmerke in andere Ansätzen hätten mich ein bisschen mehr interessiert.

Romeo und Romy ist jetzt für mich nicht die klassische Liebesgeschichte, auch wenn hier Shakespeare seine Finger mit im Spiel hat, sondern ein Spiegel für „das Mensch“ sein, was ist wirklich wichtig im Leben, wofür lohnt es sich zu kämpfen und wie kann ich mich für andere einsetzen, helfen, und zwar für die Menschen, die ich liebe. Wir lernen, dass es sich selbst im Alter noch lohnt, an Träume zu glauben und neue Wege zu gehen. Andreas Izquierdo unterhält wieder aufs Beste und hat mir die Eine oder andere Träne abgeluchst, auch wenn es für mich einige Längen gab, kann ich das Buch trotzdem jeden empfehlen, der Geschichten zum Lachen und weinen mag.
 

Henry und ich finden das sich ein Besuch in Großzerlitsch lohnt und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:

Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u. a. den Roman König von Albanien (2007), der mit dem Sir-Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman Apocalypsia (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde. Zuletzt erschienen von ihm die Bestseller Das Glücksbüro (2013) und Der Club der Traumtänzer (2014).



Vielen lieben Dank an den Suhrkamp Verlag für dieses Rezensionsexemplar.  

Kommentare:

  1. Hallöchen Inga,
    das klingt nach einem Buch, dass vollkommen etwas für mich ist! :D Ich habe es schon zu Hause liegen, aber bisher habe ich noch nicht reingeluchst. Es ist jetzt aber ein ganzes Stück weiter nach oben gerutscht auf der "zu lesen Liste" :D

    Danke für die schöne Rezension.

    Liebst, Lotta

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    1. Hallo meine liebe Lotta,

      ganz ehrlich, bei meinem letzten Tipp, hast du das Buch abgebrochen, ich bin verunsichert *__* Aber Andreas erzählt ja ganz anderes, ich hoffe somit sehr, das es dir gefallen wird :-) Also ganz viel Spaß und Freude damit!

      Danke für dein liebes Kommentar
      Deine Inga
      PS: Dein erstes Buch von diesem Autor?

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  2. Ich habe es gelesen und kann dir zu 100% zustimmen. Ich habe seine anderen beiden Bücher noch auf dem SuB, auf die ich mich schon freue....hier war ich ja noch nicht überzeugt...
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo liebe Martina,

      wie schön, das du es auch gelesen hast und dann wirst du seine anderen Bücher lieben. Aber seit ich Andreas letztens lesen gehört habe, glaube ich fast ich war zu streng ...lach... so wunderbar :-)

      Ich wünsch dir viel Vergnügen und schicke liebe Grüße
      Sharon

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  3. Liebe Sharon, es ist ein tolle Rezension und wenn Kritik so vorgetragen wird, kann ich sie auch gut nachvollziehen.
    LG
    Andreas

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    1. Lieber Andreas,

      was für eine Freude, du hier, ich bin glücklich :-) und tausend Dank für deine lieben Worte. Aber nach dem ich mit dir gesprochen hatte und die schönen Textstellen vorgelesen bekommen hatte, dachte ich nur, was hatte mir den nicht gefallen, es war doch so herrlich ... Mach bitte weiter und ich freu mich schon auf deinen nächsten Streich ;-)

      Deine treue Leserin
      Sharon

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