Donnerstag, 25. August 2016

Rezension: Adrian J. Walker * Am Ende aller Zeiten


Broschiert: 432 Seiten
Verlag: TOR  
ISBN-13:
978-3596037049
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2016
Übersetzer: Nadine Püschel & Gesine Schröder




Inhalt:
Edgar Hill wird von dem Gebrüll seines kleinen Sohnes Arthur wach und quält sich aus dem Bett, da er früh morgens dran ist. Gemütlich macht er ihm ein Fläschchen und geht kurz mit Arthur spazieren. Schnell fällt ihm auf, das etwas anders ist, die Straßen sind ruhiger, manche Menschen denen er begegnet benehmen sich komisch und irgendwas liegt in der Luft. Ganz grau in seinem Gehirn martert etwas, hat er nicht gestern was im Fernsehen gehört oder gesehen, was wichtig war? Zu Hause geht er dem Ganzen auf den Grund und gerät in Panik. Eine Katastrophe kommt auf die Erde zu und er hat nur wenig Zeit, um seine Familie in Sicherheit zu bringen, wie gut das sie einen Keller haben. Die Familie überlebt gerade so und wird in einem Lager untergebracht. Edgar schließt sich, zum Leidwesen seiner Frau, den Lebensmittelsuchtrupps an und kommt so zu spät als die Hubschrauber landen und seine Familie evakuieren. Sie werden 500 Meilen nach Cornwall gebracht, um dort dann aufs Festland überzusiedeln. Ed hat nur wenig Zeit, um zu seiner Frau und Kindern zu gelangen, wird er den Weg auf sich nehmen? Kann er die körperliche Herausforderung packen? Welche Menschen, welches verwüstete Land wird ihm begegnen? Und kann er es rechtzeitig schaffen?

Meinung:
Eigentlich bin ich ja nicht so der Fantasy Leser, was ich mich immer noch frage, warum eigentlich. Ich liebe fliegende Laserschwerter und galaktische Raumschiffe, mag auch Feen und Zauberer, warum stelle ich mich dann in der Literatur für die etwas Größeren so an. Als mir damals das Buch von Adrian Walker vorgestellt wurde, dachte ich, Wahnsinn, das klingt spannend und ich bin doch eine Beherrscherin des Kopfkinos, das probierst du aus und außerdem ist es mal von einem Mann geschrieben, da wollen wir doch schauen, was der so kann.

Unser Icherzähler heißt Edgar Hill und ist ein absoluter Antiheld. Seines Lebens völlig überdrüssig, verheiratet und zwei Kinder, wo er sich immer fragt, warum habe ich mir das ans Bein gebunden. Ein typischer, ich habe nicht wirklich Lust auf Verantwortung und gehe lieber mit meinem Freunden was trinken. Der Alkohol lässt ihn den Alltag überstehen und alle Verpflichtungen vergessen. Sprich, Edgar lässt sich gehen, in allen Dingen und ist genervt, wenn ein Kind schreit. Nun gut, so ganz unsympathisch kommt er gar nicht rüber, denn er liebt seine Familie schon, ist aber nicht der geborene Ehemann und Vater, aber die kleinen Dinge sind ihm trotzdem wichtig. Da passiert eine Katastrophe, Ed muss, reagieren, er muss sozusagen seinen Mann stehen und fühlt sich doch wie ein Versager. Als er dann im Lager eine Chance hat, der Beengtheit zu entkommen nutzt er diese sofort, ohne auf die Wünsche seiner Frau einzugehen, Hauptsache weg und dann sind sie weg. Seine Familie ist evakuiert, Ed gerät ins Grübeln, ist das gut, so wollte er es doch immer, oder fehlt ihm jetzt doch ein Stück. Edgar muss eine harte Entwicklung durchleben, er muss sich neu definieren und dem Ziehen seines Herzen, der immer größer werdenden Sehnsucht, nach seinen Lieben nachgehen.

Adrian J. Walker hat sich für ein Endzeit-Szenario entschieden und lässt unsere Welt durch einen Asteroiden neu formen. Alles wird zerstört, Menschen kommen um und die Sonne geht unter. Es ist eine düstere Zeit und ein Kampf ums Überleben und mittendrin ein Mann, der zu seiner Familie möchte. Seine Hauptfigur ist aber nicht allein, er wird von einer Soldatin, einen pensionierten Briefträger, einem weiteren Familienvater und einem schottischen Hünen begleitet. Dieses Team muss sich nicht nur zusammenraufen, nein, es muss sich auch immer wieder neuen Gefahren auf ihren Weg stellen. So kämpfen sie nicht nur mit ihrer körperlichen Konstitution oder der Suche nach Lebensmittel, sondern auch mit Menschen die ihren Weg kreuzen, und die ihre Menschlichkeit verloren haben. So herrschen oft Gewalt und Machtmissbrauch vor, das Misstrauen untereinander wächst und die Anderen lassen alle Hemmungen fallen, um zu überleben.

Der Autor erzählt düster, unverblümt und oft mit zu vielen Worten seine Odyssee von Schottland nach Cornwall. Mir persönlich hat die Idee und auch seine Figuren richtig gut gefallen, er spielt hier mit vielen unterschiedlichen Gefühlen und lässt so eine Entwicklung mitlaufen. Es ist ein beschwerlicher Weg und auch für mich als Leser nicht immer einfach, die Dynamik war gut, aber oft waren die Begegnungen ein bisschen zu lang, oder zu viel, dabei schweift er gern noch ein bisschen ab und so zog sich die Geschichte in die Länge. Für mich hätte es ein bisschen kürzer sein dürfen, das hätte dem Spannungsbogen ein bisschen besser getan. Aber sein absoluter Clou ist Edgar, der vom Couch-Potato über sich hinauswachsen muss, um endlich sich und seine Familie zu finden.

Für alle, die gern jemanden anfeuern, mitleiden und die Liebe und Hoffnung erleben wollen, in einer düsteren Zeit, ist das genau die richtige Lektüre.
 
Henry und ich fanden diese Seelentour richtig gut und so vergeben wir vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 


Adrian J Walker wurde Mitte der 70er Jahre in einem Vorort von Sydney geboren, verbrachte aber einen guten Teil seiner Jugend in England. Er studierte in Leeds, arbeitete als Informatiker und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in London.
 
Quelle: TOR Verlag


Vielen lieben Dank an den TOR Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Kommentare:

  1. Hallo Sharon,

    ich habe jetzt nur mal dein Fazit gelesen, da ich das Buch zwar bereits habe, aber noch nicht gelesen. Bin auf jeden Fall gespannt und freue mich schon sehr es im September zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      na dann kann ich nur noch sagen, viel Spaß beim Lesen!!! Habe aufregende Lesestunden :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  2. Huhu Sharon,

    da hast du aber ein hübsches Model! ;)
    Deine Rezi finde ich auch klasse, die weckt doch prompt mein Interesse an dem Buch. Aber mal was anderes: Gehört der Tor Verlag zu Fischer? Den habe ich bis jetzt nämlich noch nie gesehen...

    Liebe Grüße
    Kathi von Lesendes Federvieh

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    1. Hallo Kathi,

      ja, den habe ich wohl! James unser Großer ist schon recht majestätisch und eine beeindruckende Persönlichkeit :-)

      Das freut mich, das meine Worte dich neugierig machen. Beste Lob ever!!! Der Tor Verlag gehört zur Fischer Gruppe und ist noch ganz jung, Am Ende aller Zeiten ist ihr ersten Buch was sie veröffentlichen und es kommen noch so Hammerteile hinterher... geh doch mal stöbern ...hihi...

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  3. Hoi, Inga.
    Würdest Du die Tore allein zur klassischen Fantasy(*) aufstoßen, Du hättest Kosmen des narativen Überschwangs & Charatere - voller Brüche, Düsternis, Edelmut & ehrlicher Tapferkeit zum Entdecken, zum mögen lernen. Erzählen ohne Ketten.

    Der Charakter eines Menschen ist dann auf die Probe gestellt, wenn die gewohnte Normalität den Anker lichtet. Gelegenheit gebiert die Untat; wer sich aber an dem Prinzip Menschlichkeit weiterhin orientiert, ist die Fackel im Dunkel.
    Von daher scheint sich ein ausgesprochen illustrer Kreis auf den Weg nach Cornwall zu machen. :-)

    bonté


    (*)von den 50ern bis in die 80er

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    1. Bonjour Robert,

      da hast du wohl einiges mehr an Erfahrung als ich. Bei mir gab es entweder Klassiker, oder Zeitgenössischen auf dem Markt. Aber wie du siehst komme ich noch dahin ...lach... bin ja wohl doch für einiges zu haben. Außer Horror, da bleibe ich HART!!

      Das hast du schön geschrieben und ich möchte meine Menschlichkeit auch nie verlieren, da waren so krasse Szenen bei ... brrrrrrrrrr.... Aber Cornwall würde ich gern auch mal bereisen ...lach... um mal was nettes zu sagen :-)

      Hab einen tollen Dienstag und liebe Grüße
      Inga

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    2. ...Cornwalls Landschaft läßt es zu, hinter jeder Biegung eine Figur der Artus-Sage(n) zu erwarten.
      "Und du, illegitimer Sproß der Pentragon, gib' acht. sonst hängst du an zur Seite ihm!"

      Aus dem Lesefundus jetzt eine spontan gemachte Empfehlung: Robert Silverberg "Krieg der Träume" - erzählt in Farbenpracht von eine Truppe fahrender Jongleure & Gaukler; auf Majipoor, dem größten Planeten des Universums.

      bonté

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    3. Bonjour Robert,

      wirklich! Ich mag die Artus Sage, da muss ich doch mal mit Mr. Baker sprechen ...lach... und die Koffer packen!

      Danke für den Buchtip, ist auf der Wunschliste gelandet, allerdings nur noch gebraucht zu bekommen, da muss man mal gucken :-)

      Ganz liebe Grüße und schönen Sonntag
      Inga

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