Sonntag, 11. September 2016

Rezension: G. R. Gemin * Milchmädchen


Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Königskinder
ISBN-13:
978-3551560261
Preis: 16,99 EUR
E-Book: 11,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: März 2016
Übersetzer: Gabriele Haefs




Inhalt:
Gemma radelt mit ihrem Rad los, um einen ganz bestimmten Ort aus ihrer Vergangenheit zu finden, einen Platz, wo noch alles gut war in ihren Leben, aber was muss passieren, eine Herde Kühe steht mitten auf der Straße. Trotz starken abbremsen und ausweichen, fällt Gemma über den Lenker und stürzt mitten in die Kühe, aber als ob das nicht schon schlimm genug wäre, steht ihr, die nicht gerade beliebte Klassenkameradin Kate gegenüber und amüsiert sich über deren ängstliches Gesicht. Frustriert und wütend geht es wieder nach Hause und zur Beerdigung von Omas Hund, um sie auf andere Gedanken zu bringen erzählt Gemma ihrer Oma von Kate und ihren Kühen und mit einmal ändert sich Gemmas Leben. Nicht nur das sie durch ihre Oma, Zeit mit Kate verbringt, nein, auch Kühe werden immer sympathischere Wesen, und bevor sie es sich versieht, hilft sie beim Kuhdiebstahl mit. Wie kam es dazu? Warum müssen die Kühe gerettet werden? Wohin mit den reizenden 12 Kühen? Und kann das überhaupt gut gehen? Ein Vorort steht Kopf und mittendrin muht es ...

Meinung:
Das ist mein erstes Buch aus dem Königskinder Verlag und hätte mir mal bitte einer vorher verraten können, dass da solche Schätze lauern. Diese Geschichte bietet nicht nur 12 dicke Kühe und zwei toughe Mädchen, sondern ein ganzes Stadtviertel an wunderbaren Figuren und dazu eine wunderbare Aussage, also ihr merkt schon, ich bin schwer angetan.

Gemma ist ein junges Mädchen, von 13 Jahren und muss sich schon früh mit Einigen rumquälen. Zu Hause gibt es eine abgekämpfte Mutter, die von der Last ihre Familie zu ernähren, das Lächeln verlernt hat, dazu ein Vater, der mit Abwesenheit glänzt, da er im Knast sitzt und einen kleinen nervigen Bruder, der sich bei Mama einschleimt und nur Flausen im Kopf hat. Dazu kommt noch das sozialschwache Wohnumfeld, was einem direkt vermittelt, Außenseiter haben es schwer und nur die Starken haben das Sagen. Gemma ist direkt in solch einer Gruppe, was bleibt ihr auch übrig, sie will ja ihre Ruhe haben und nicht in Schwierigkeiten gezogen werden. Aber dann kommt ihre Oma und lädt diese Kate ein. Ein Mädchen von einem Bauernhof, Außenseiterin und stark wie ein Bär. Natürlich will Gemma nicht mit ihr gesehen werden und dann passiert es doch und sie ist dem Schikanen ausgesetzt. Aber langsam nähern sich die beiden an und bauen eine Art Freundschaft auf und Gemma merkt schnell, nicht nur sie hat Probleme, sondern auch Kate und ihres ist die Liebe zu zwölf Kühen, die verkauft werden sollen.

Diese zwölf Kühe sind die Hauptstatisten im ganzen Stück und lassen einen ganzen Vorort neu erblühen. Es ist ein schrecklicher Vorort, ständig Überfälle, Gewalt, Diebstahl und die Polizei zählt die Einsätze schon nicht mehr. Früher muss es eine nette Wohngegend gewesen sein, jetzt herrschen hier andere Gesetze und die älteren Leute, trauen sich nicht mehr vor die Tür. Tja, und da wollen die beiden Mädchen zwölf Kühe unterbringen, mitten ins Grau. Was das für Auswirkungen hat, hätte keiner mit gerechnet. Die Menschen helfen sich wieder untereinander, verschließen ihre Augen nicht mehr und finden auch den Mut, Taten andere zu melden. Es findet ein Umbruch statt und auch ein Umdenken, die Bewohner haben wieder Freude und Spaß an der Gemeinschaft und lassen es sich und den Kühen wieder besser gehen. Aber kann das auch so bleiben?

Dieser Autor hat ein rund um tolles Buch geschrieben, hier stimmt einfach alles, Erzählstil, wunderbare Figuren und eine tolle Aussage. Ich fühlte mich so wohl in der Geschichte und wäre am liebsten selbst sofort aufs Rad gestiegen und aufs Land gefahren, um mir eine Kuh zu holen. Aber das wirklich ganz Besondere sind seine sozial kritischen Punkte, er hat das alles so ganz natürlich, realistisch und tiefgründig mit eingewebt, man kauft ihm alles total ab und strahlt umso mehr mit, dass es aus dem dunklen Sumpf immer einen Weg gibt und das wir bestimmen können, wohin dieser uns bringt. Er beschreibt Probleme auf dem Punkt, ohne zu verschönern und doch können wir hoffen, dass es auch immer eine Lösung geben wird, manchmal tun sich die unglaublichsten Dinge auf, die man vorher nie erahnt hätte.

G.R. Gemin hat ein ganz wunderbares Debüt geschrieben, was nicht nur für junge Leser geeignet ist, nein auch die Älteren werden ihr Vergnügen damit haben. Es macht unglaublich Spaß mitzuerleben wie die Menschen und dieser triste Vorort aufblüht und Gemma einen Weg findet, sich auch selbst zu finden und ihre Persönlichkeit zu festigen. Außerdem hat der Roman eine wunderbare Aussage, gemeinsam sind wir stark.

Henry und ich haben ein neues Lieblingsbuch und das könnte ein Klassiker werden, deshalb die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:


Giancarlo R. Gemin wurde als Sohn italienischer Eltern in Cardiff in Wales geboren. "Milchmädchen" ist sein erstes Buch und hat schon zahlreiche Preise bekommen. Wenn er nicht schreibt, hört G.R. Gemin gern Musik, von Jimmy Smith bis Giuseppe Verdi. Der Autor lebt in London.



Vielen lieben Dank an den Königskinder Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Kommentare:

  1. Hallo Sharon/Inga,
    irgendwie freue ich mich gerade, dass ich dieses Buch schon im Haus habe, auch wenn ich nicht stolz darauf bin, es noch nicht gelesen zu haben. Nach deiner sehr ansprechenden Rezension freue ich mich umso mehr darauf. Lieben Dank.
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Hallo liebe Hibi,

      da hast du den ganzen Spaß ja noch vor dir, dann kann ich dir nur wunderbare Lesestunden wünschen und ich wette, danach willst du auch eine Kuh haben :-) Danke fürs Lob und für dieses Buch mach ich eingies ...

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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