Donnerstag, 25. Mai 2017

Rezension: Mats Strandberg * Die Überfahrt


Broschiert: 512 Seiten
Verlag: TOR  
ISBN-13:
978-3596295999
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Mai 2017
Übersetzer: Antje Rieck-Blankenburg




Inhalt:
Die Ostsee-Fähre Baltic Charisma legt bald ab und während sich, die Crew auf die Partygäste vorbereiten, checken die Passagiere vorfreudig ein. Auf jeder Fahrt gibt es welche, die nach der großen Liebe suchen, oder einfach den Alltagsstress vergessen wollen, aber egal welcher Grund, eins haben alle gemeinsam, sie wollen sich amüsieren. So schwappt der Übermut und die Fröhlichkeit durch die Korridore und der Alkohol fließt in strömen. Jeder hat sein Ziel vor Augen und so bemerkt kaum jemand auf dem Autodeck, wie sich eine Mutter mit ihrem Sohn an Bord schleicht und selbst wenn, ist diese Tatsache schnell wieder vergessen. Dabei müssten sie vor Angst zittern, denn nun ist auch das Böse an Bord angekommen. Was haben sie vor? Um welches Grauen handelt es sich bei den beiden? Und wird die Fähre jemals am anderen Hafen ankommen?

Meinung:
Als mir das Buch „Die Überfahrt“ vorgestellt und mir der Autor von der „Zirkel“-Trilogie genannt wurde, jauchzte ich begeistert auf. Ich kenne zwar nur den ersten Teil der Reihe, aber der Erzählstil und die unterschiedlichen Personensichten haben mich damals schon total umgehauen und mit Sicherheit werde ich diese Trilogie noch einziehen lassen, die anderen Bände muss ich nämlich noch lesen. Nun aber sind es nicht Hexen, sondern ganz andere grausame Gestalten und allein der Handlungsort ist mega gewählt. Ob sich meine Euphorie hier bestätigt, oder im Stich lässt, erzähle ich euch jetzt.

Mats Strandberg hat sich also eine Fähre gemietet, haut dort unzählige verschiedene Personen rauf und schickt dann einen kleinen ungehörigen Blutsauger los. Mehr an Geschichte gibt es nicht, aber das reicht auch völlig aus, denn er erzählt wieder alles aus verschieden Sichten und seine Figuren, sind einfach seine Stärke und die Stars des Ganzen. Wer braucht schon ein Weltraumschiff oder einen verlassenen Planeten, wenn man sich auch hier auf der Erde einen kleinen Mikrokosmos schaffen kann. So eine Fähre ist wirklich ein gut gewählter Ort, um so richtig schön in die Horrorkiste zu greifen und einen in einen Lesesog zu ziehen.

Ihr seht vorab, ich hatte meinem Spaß und das liegt wohl an seinen genial gewählten Figuren, die alle authentisch rüberkommen und einen wirklich so im Leben begegnen können. Da haben wir die Crew, Pia von der Sicherheit, alleinerziehend, geschieden, aber der Fels in der Brandung. Filip, der Barkeeper, der seinen Job liebt und hasst zur gleichen Zeit. Oder Dan Applegren, den gefallenen Schlagerstar, der auf dieser Fähre in der Karaokebar arbeitet, weil er sonst keine Angebote mehr hat und sich sein Elend mit Kokain und Groupies versüßt und dabei alle hasst. Außerdem mit dabei ein alter Angestellter, Calle, der es vom Schiff geschafft und seine Träume verwirklicht hat und nun will er seinen Freund einen Antrag an Bord machen. Zudem gibt es auch noch die andere Sicht der Passagiere, Madde zum Beispiel will mit ihrer Freundin Party machen und nicht mehr an ihre bevorstehende Kündigung denken. Oder Marianne, die zu Hause allein ist und sich selbst nicht mehr mag und spontan ein Ticket gebucht hat und dann Göran kennenlernt. Und Albin ein zwölfjähriges Adoptivkind, was nicht nur mit den Eltern Stress hat, die Mutter im Rollstuhl und der Vater ist nicht nur Alkoholiker, sondern seine Cousine Lo ist mit dabei, früher seine beste Freunde und nun ist sie zum Teenager herangewachsen und scheint für ihn unerreichbar zu sein. Alle zusammen interessante Persönlichkeiten, die allein durch ihr Leben Seiten füllen könnten und dann in eine Katastrophe schippern.

Zu erst dachte ich noch, das wird was geben, wenn ich nur ständig die Sorgen und Probleme der anderen lese, oder über dieses Party geile Volk, aber allein da, schafft es schon der Autor einen an die Seiten zu fesseln. Er spielt sehr geschickt seine erzählerischen Karten aus und verwickelt einen immer mehr auf dieses Schiff und seine Besatzung. Während er langsam Fahrt aufnimmt und berichtet, wie es zum ersten Opfer kommt, haben wir alle wesentlichen Figuren kennengelernt und wissen, wie es in ihnen drinnen aussieht und dann folgt alles, Schlag auf Schlag. Eine Figur wechselt die nächste ab, bei der höchsten Spannung gibt es einen Kat und er schreibt über den nächsten und zwischen drin gibt es immer wieder einen Kurzbericht von der Baltic Charisma, unglaublich spannend und fesselnd, besser finde ich, geht es nicht.

Er schafft ein richtiges Szenario, schwört eigene Ängste und Bedenken herauf und ganz ehrlich ein besseres Kopfkino kann es nicht geben, man sitzt mit seinem Buch da und knabbert vor Aufregung an den Fingernägeln, stöhnt auf, wenn es den nächsten erwischt, oder ist geschockt über seinen Blutdurst, denn magenempfindlich sollte man hier nicht sein. Wie aus einem Infizierten, so eine Epidemie werden kann, ist unglaublich und es wird von Seite zu Seite immer schlimmer und man steckt so richtig im Horrortrip mittendrin und es nimmt kein Ende. Dieser Lesesog lässt einen förmlich durch die Seiten rauschen und man wird böse über jede Unterbrechung, man will nämlich nicht auftauchen.

Für mich ein absolut hervorragendes Unterhaltungsbuch, ganz großes Kino, mit wirklich allen drum und daran, aber auf eine Fähre kriegt mich jetzt keiner mehr.
 
 
Henry und ich hatten ein rasantes Lesevergnügen und vergeben so die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:


Mats Strandberg ist der Autor der weltweit erfolgreichen Engelsfors-Trilogie (›Zirkel‹/›Feuer‹/›Schlüssel‹), die in dreißig Sprachen übersetzt wurde. ›Die Überfahrt‹ wurde in Schweden zum Überraschungsbestseller und machte Strandberg auf einen Schlag berühmt.

Quelle: TOR Verlag

Vielen lieben Dank an den TOR Verlag für das  Rezensionsexemplar. 

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