Freitag, 30. Juni 2017

Rezension: Anna Pfeffer * Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: cbj
ISBN-13:
978-3570174067
Preis: 12,99 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: März 2017 



Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Flo hasst es vor der Klasse zu sprechen, denn sie verliert immer ihre Worte, von Schlagfertigkeit träumt sie nur und das Einzige was mit Sicherheit funktioniert, ist die Veränderung ihrer Gesichtsfarbe. Gott sei Dank stehen ihre beiden Freundinnen Julia und Anouk parat, aber als Flo erfährt, das Anouk ihren Schwarm geküsst hat, ist sie total enttäuscht. Als dann auch noch Julia sich von Anouk betrogen fühlt, schreiben beide aus Ärger und Quatsch einer Kummerkastenwebseite einen Brief in Anouks Namen, mit dem wissen diese nie abzuschicken. Aber dann passiert es doch, ein falscher Klick und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Bevor Floh reagieren kann, erntet sie einen gewaltigen Shitstorm und steht dann ganz allein da. Wie wird sie damit umgehen? Kann es ein Leben danach geben? Und warum schaut Schwarm Ben sie jetzt an?

Meinung:
Was Neues von Anna Pfeffer und was diese beiden Autorinnen schreiben, muss man sich einfach genauer ansehen. Finde ich zumindest. Nun gut, hier handelt es sich um ein Buch für die noch Jüngeren, aber hey, das Thema Mobbing ist wichtiger denn je und ich mag die witzige Art der beiden, so musste ich das einfach lesen. Und soll ich euch was sagen, psssst, es lohnt sich.

Flo und ich haben direkt was gemeinsam, ich habe es auch gehasst vor der Klasse zu sprechen, der absolute Horroralbtraum schlecht hin. Heimlich jemanden aus der Schule anhimmeln, konnte ich auch gut, ansprechen, um Gotteswillen. Kurz um, Flo war mir sofort sehr nah und sympathisch und ich war wieder 13. Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass ich meine Schulzeit nicht unbedingt gut in Erinnerung habe. Was für eine Katastrophe wäre das noch gewesen, wenn wir da schon Handys gehabt hätten. Darüber möchte ich gar nicht nachdenken und ja, ich bin schon in einem etwas älteren Semester. Aber Flo‘s Schulalltag hat sofort wieder Bilder und Ängste in mir aktiviert und ich muss gestehen, über vieles konnte ich diesmal lachen, weil ich damals genauso war.

Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmidt alias Anna Pfeffer haben einfach einen genialen Schreibstil, locker, flockig, witzig und so schön quirlig hauchen sie ihren Geschichten leben ein und es ist immer eine wahre Freude sie zu entdecken. Dabei schaffen sie es hier, einen guten Spagat hinzubekommen, denn zwischen ernstem Thema, doch noch herzlich lachen zu dürfen. Besonders gut hat mir gefallen, wie sie den Weg zum Mobbing hin beschrieben haben, wie schnell so etwas geht, wie unüberlegt man handelt und wie dumm manchmal der Übermut sein kann. Dass aus einer Nichtigkeit eine ganz große Sache werden kann und wie sich aus einer privaten Fehde, ein Albtraum entspinnen kann. Auf einmal ist man auf dem Präsentierteller der ganzen Schule und jeder erlaubt sich ein Urteil. Es zeigt, diese beiden Frauen sind ganz nah am Zeitzeiger und können die Belange und Gefühle von Jugendlichen klasse reflektieren.

Natürlich gibt es auch andere Bücher, die dieses Thema behandeln und mit anderem Ende, aber da ist die Leserschaft auch meistens nach etwas Größerem. Ich glaube, das ist hier mein kleines Manko, nein, eigentlich finde ich es gut, das sich aus solch einem Drama nicht immer noch, was Schlimmeres verwandeln muss, sondern man daraus auch gestärkt hervor geht. Aber ich wäre, glaube ich, nicht so schnell im Verzeihmodus. Das ging mir zu hopp la hopp und zu meiner Schulzeit hätte das nicht geklappt, da gab es vielleicht aber auch zu viele Zicken. Freundinnen können sich nämlich so einiges antun, oh Gott bin ich froh, dass dieses Cybermobbing an mir vorbei gegangen ist, mir haben schon die „normalen“ Gehässigkeiten gereicht.

Eine wirklich tolle Geschichte über Freundschaft, Missverständnisse, und wie man sie nicht austragen sollte, wie immer mit Witz zum Aufheitern und einer Prise Nachdenklichkeit. Leute redet lieber miteinander und tragt es nicht virtuell aus, ein ganz klares Statement.

Henry und ich hatten trotz des schwierigen Themas vergnügliche Lesestunden und so gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorinnen:
 


Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, die beiden Autorinnen hinter dem Pseudonym Anna Pfeffer, sind seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Wien befreundet. Schon damals entwarfen sie Geschichten, die aus Lehrern paranoide Agenten und aus Mitschülern tragische Helden machten. Heute leben sie in Hamburg und Wien, sind zusammen über 70 Jahre alt, haben zwei Männer, sechs Kinder und einen Hund und schreiben noch immer zusammen.

Quelle: cbj Verlag


Vielen lieben Dank an den cbj Veralg für das  Rezensionsexemplar.

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