Montag, 19. Juni 2017

Rezension: Jess Kidd * Der Freund der Toten


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13:
978-3832198367
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Mai 2017
Übersetzer: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Mahonys Lebenslaufbahn ist nicht wirklich von Glanzstücken besetzt, Kleinkrimineller, Findelkind und Herzensbrecher, bis ihn eines Tages ein Brief  aus seiner Vergangenheit erreicht und ihn zu einem Ort führt, wo alles begann. Er reist nach Mulderrig, einer kleinen Dorfgemeinde, die Fremden gegenüber nicht gerade aufgeschlossen ist, aber lange können sie Mahonys Charme nicht widerstehen. Bis sie erfahren, warum er ihren Ort besucht, er möchte nämlich gern das mysteriöse Verschwinden seiner Mutter aufklären. Ab da trifft er auf taube Ohren und verstummende Münder, nur die exzentrische Mrs Cauley ist auf seiner Seite und zusammen entwickeln sie einen raffinierten Plan. Werden die beiden mit ihren Plan Erfolg haben? Können sie dem Verschwinden von Mahonys Mutter auf die Spur kommen? Und welche Geheimnisse werden sie noch ausgraben?

Meinung:
Auf dieses Buch freute ich mich schon, seit es mir vorgestellt wurde und dann musste ich so lange darauf warten und nun ist es schon verschlungen. Ich bin ja ein großer Fan von irischen Geschichten, sie habe so einen besonderen Klang und schaffen einfach Atmosphäre. Und hier haben wir ja alles vereint, Irland, ein kleines Dorf, eine schräge und verschrobene Gemeinschaft, eine alte neugierige Lady, einen jungen Burschen, der auch noch die Gabe hat, Tote zu sehen. Klingt gut? Ist gut! Nein, sogar großartig.

Als ich den Namen Mahony gelesen hatte, musste ich unweigerlich sofort an Mahoney aus der Police Academy Filmreihe denken und so ganz abwegig ist es nicht. Denn unser irischer junger Mann hat auch so eine gewinnende Spitzbübigkeit, einfach ein einnehmendes Wesen und Charme, der ihn die Damenwelt zu Füßen liegen lässt. Ich fand ihn sofort sympathisch und seine Art einfach herrlich zu lesen, bei all den Geheimnissen und sehr eigenwilligen anderen Figuren, war er einfach erfrischend.

Eine weitere Hauptfigur und Mahonys Teampartnerin war Mrs Cauley und die hatte es faustdick hinter den Ohren. Sie ist auch nur eine Zugereiste, lebt aber schon ewig in dem Dorf und gilt aber immer noch nicht als Einheimische, da ist eine Dorfgemeinschaft ja eisern. Aber Mrs Cauley hat ihren Platz gefunden, dafür das sie intelligent, scharfzüngig, exzentrisch und kämpferisch ist und es ihren Mitmenschen nicht immer einfach macht. Aber sie ist eine Person, die den Raum betreten und dann beherrschen kann und solch eine Detektivarbeit ist doch auch ein Heidenspaß. Ihren Part zu lesen, hatte immer mit viel bösem Humor zu tun und irgendwie finde ich, das sie wie aus einen Agatha Christie Roman entsprungen ist. Herrlich verschroben und extrem liebenswert.

Aber meine heimlichen Stars der Geschichte waren einfach die Geister, die Mahony sehen konnte. Ständig scharwenzelt einer durchs Bild, führte zu neuen Drehungen in der Geschichte und waren einfach für jede Situation zu haben. Ich fand, sie rundeten alles ab, gaben der Geschichte eine ganz eigene Stimme und schafften Atmosphäre, die sich einfach von anderen Dorfgeschichten abhoben. Wer also gern, wie ich, das Übernatürliche liebt, ist hier genau richtig.

Überhaupt schafft Jess Kidd ein ganz großartiges Debüt, es ist frisch und anderes, hat aber trotzdem den Stil von alten Klassikern, nur mit mehr Seele und Leben. Ihre Sprachauswahl ist unglaublich gut eingesetzt, sie lässt vieles lebendig werden, teilweise sogar poetisch, aber mit einer Sogkraft, die einen förmlich durch das Buch ziehen. Dabei ist man einfach gefesselt von den Figuren und der Landschaft, will immer mehr wissen und hat doch Angst, es zu schnell zu beenden. Dabei möchte man unbedingt wissen, was damals passiert ist, den Mahonys Mutter hatte ein dramatisches Leben und einen schweren Stand im Dorfleben. So spielt die Autorin mit Licht und Schatten in der Geschichte und verstrickt die Figuren immer mehr, und ob wir am Ende wirklich die Wahrheit erfahren, müsst ihr einfach selber lesen. Es lohnt sich.

Für mich hat dieses Buch eine unglaubliche magische Stimmung, mit wunderbaren originellen Figuren und einer Sprachgewalt, die mir einfach entzückende Lesestunden beschert haben. Mitreißend, schräg, schwarzhumorig und fesselnd, genau meins. LESEN!

Henry und ich wurden sofort von dieser Geschichte verschlungen und wir vergeben dafür die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
 

 
Jess Kidd, 1973 in London geboren, hat ihre Kindheit teilweise in einem Dorf an der irischen Westküste verbracht. Sie hat Literatur an der St. Mary’s University in Twickenham studiert. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Roman. Die Autorin lebt mit ihrer Tochter in London.

Quelle: Dumont Verlag

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Kommentare:

  1. Dia dhuit, Inga.
    (Es bleibt irisch)
    Netterweise ist mein Auge heute an exakt diesem Buch, im Schaufenster des Buchladens, für eine Sekunde hängen geblieben. Allerdings habe ich nur meine Bestellung dabei abgeholt(*).
    Und prompt besprichst Du es... :-)

    Ja, die eingedickte Gemeinschaft in kleinen Dörfern; weil jeder fast alles von jedem weiss, ist jedem jedem ausgeliefert. Der geduldige D.I. Barnaby hat es quasi in jeder Folge mit so einer verflochtenen Gemeinschaft zu tun.

    Romane, die mit dem guten alten Lesewitz dienen können, sind ein seltenes Gut geworden, weil vorschnell als klassisch & somit antiquiert klassifiziert. Seltsamerweise werden Klassiker aber immer noch gelesen, ja gekauft.
    Apropos Agatha Christie.
    Herbsten erwartet uns eine neue Kino-Version von 'Mord im Orient Express'.
    Sorry, der Film-Fan in mir... ;-)

    Dexter blickt oben mal wieder so als könne er kein Wässerchen trüben.

    bonté



    (*)ein Buch & ein Film

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    1. Hello Mr. Robert,

      ja, bei mir ist Irland gerade ganz groß. Okay, momentan bin ich aber in Skandinavien ..lach.. also es wird sich bald, wieder etwas ausgleichen.

      Das ist ein ZEICHEN!!! Es sagt, Robert du musst mich lesen, du MUSSSSSSSSSSST ... unbedingt!!!

      Ja, der gute Barnaby hat da auch ganz schön zu kämpfen, aber hier ist es nicht so ganz trocken. Was ich in der Rezension gar nicht erwähnt hatte, es spielt in den 70ern und hat daruch noch extra Potenzial. Ich könnte immer noch schwärmen.

      HA! Ich habe sogar schon den Trailer gesehen und mein Gott, da spielen so viele tolle Schauspieler mit und Kenneth Branagh!!! Und obwohl ich genau diesen Krimi nicht so mochte, muss ich ins Kino. Der Mann weiß davon nur noch nix ...hihi...

      Dexter wurde mit Heiligenschein geboren :D

      Hab einen schönen Abend
      Inga

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  2. Ein Buch, bei dem der Titel mich schon neugierig macht und deine Besprechung lässt es nun auf der WuLi einziehen (=

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Hallo Janna,

      hurra... du hast ein Wunschlistenbuch mehr und ich bin es gern schuld. Es lohnt sich sehr, ein tolles Buch :-) Und für mich auch das beste Lob, wenn du sowas schreibst ...hihi...

      Danke für deinen Besuch und ganz liebe Grüße
      Sharon

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