Montag, 11. September 2017

Rezension: Jens Henrik Jensen * Oxen: Das erste Opfer


Broschiert: 464 Seiten
Verlag: dtv 
ISBN-13: 978-3423261586  
Preis: 16,90 EUR  
E-Book: 13,99 EUR  
Reihe: 1. Teil   
Erscheinungsdatum: September 2017
Übersetzer: Friederike Buchinger


Leseprobe? Kaufen?


Inhalt:
Niels Oxen möchte gern aus der Gesellschaft aussteigen, seine Ruhe haben und niemanden sehen. Deshalb zieht er sich immer mehr und mehr zurück und beschließt mit seinem Hund in den dänischen Wäldern zu leben. Aber so einfach ist das Leben dort nicht, wie er es sich vorgestellt hatte und dazu kommt noch, das Oxen Unglücke irgendwie anzieht. Auf einem nächtlichen Spaziergang möchte er gern das Schloss besuchen und stolpert dort über einen toten Wachmann, in Panik läuft er davon und hofft, nicht entdeckt zu werden. Aber die Polizei findet ihn und ist extrem überrascht, den mehrfach ausgezeichneten Elitesoldaten vor sich zu haben. Was zuerst nur als Zeugenaussage anfängt, entwickelt sich schnell zum Verdächtigen und Oxen bleibt nichts anderes übrig als aktiv zu werden. Was ist im Schloss passiert? Worein ist Oxen geraten? Und warum will ihn der Geheimdienst als inoffiziellen Ermittler?

Meinung:
Ich muss gestehen, dieser Klappentext ist einfach genial gewesen. Elitesoldat, Geheimdienst und dann auch noch Geheimbund, da ist mein Kopfkino regelrecht explodiert, ich dachte schon, Jason Bourne trifft auf Robert Langdon, oder so ähnlich. Also kurz, es klang super und aufregend und dann bekommt man auch noch den Hinweis, dass es der Bestseller aus Dänemark ist. Das löst bei mir immer zwei Dinge aus, Neugier und Angst. Neugier, einfach was Geniales entdeckt zu haben und Angst, den Hype nicht zu verstehen und eine große Enttäuschung mit zu erleben. Wie Oxen jetzt bei mir abgeschnitten hat, erzähle ich euch jetzt.

Ich muss sofort gestehen, der Anfang war sehr anstrengend, zäh, nicht packend und ich hatte mit ständiger Müdigkeit zu kämpfen. Was vielleicht nicht dem Buch verschuldet ist, aber es lies sich auch nicht einfach weg lesen. So war der Einstieg nicht wirklich glücklich für mich, ich mühte mich einfach ab. Es schwankte zwischen traumatisiertem Aussteiger und Mordfälle hin und her, aber es baute sich einfach zuerst kein Sog auf. Also die ersten 150 Seiten waren recht trocken und hart zu bewältigen.

Das mag aber vielleicht auch mit unseren Helden Oxen zusammenhängen, wir lernen ihn nämlich an einer abgründigen Stelle in seinem Leben kennen. Er möchte nämlich raus aus dem System, seine Ruhe haben, nicht Reden und seine innerlichen Dämonen mit Gras und Whisky bekämpfen. Sein einziger irdischer Halt ist Mr. White, sein Hund und treuer Weggefährte. So lebt Oxen mehr vor sich hin und es fällt dem Leser einfach schwer, einen Kriegshelden darin zu entdecken. Erst im Laufe der Geschichte blickt der Soldat durch, allerdings muss er erst den Rost und die steifen Gelenke abstoßen, bevor er wieder rund läuft. Obwohl ich am Anfang solche Probleme hatte, irgendwie in die Geschichte zu kommen und Oxen kennenzulernen, hat sich der Kerl doch noch in meine Lesebegeisterung geschlichen. Je mehr er sich in die Geschichte verwickeln lässt und wir aus seinem Leben erfahren, umso mehr versteht man ihn und empfindet großen Respekt. Ein starker Mann, der mit dem falschen Fuß ins Leben getreten ist und das Unglück magisch anzieht, aber kämpft.

Ihm zur Seite wird aber auch eine unglaublich tolle Frauenfigur gestellt. Margrethe Franck ist Geheimdienstmitarbeiterin und die rechte Hand vom Chef. Sie ist Ermittler, Chauffeurin und steht ihren Mann und das trotz Handicap, denn ihr fehlt ein Bein. Diese Frau wird von Babysitterin mit schlechter Laune, zur knallharten Partnerin. Ihr Zusammenspiel machte die Geschichte erst richtig rund. Erst die Zickerei, das ständige triezen und dann werden sie ein richtiges Team, das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Aber auch der Hintergrund der Geschichte ist nicht von schlechten Eltern ausgedacht. Jens Henrik Jensen schickt uns mit wenig Wissen ins Feld, und jedes Mal, wenn man denkt, jetzt haben sie es, taucht der nächste Killer auf. Er spielt total gern mit seinem Leser und der Unwissenheit und versteckt seine Morde sehr geschickt, wer denkt, jetzt sind wir dem Bund näher, erlebt grundsätzlich eine Überraschung. Überhaupt seine Intrigen in den Intrigen zu verstricken hat Spaß gemacht und ganz ehrlich, so abwegig finde ich seine Idee um Macht und Geld gar nicht. Wer weiß, wer weiß, ob es ein Tröpfchen Wahrheit in unserer Gesellschaft nicht geben könnte. Zudem legt Jens Henrik Jensen mit seinem Auftakt ein solides Grundwissen fest. Manchmal sind seine Erklärungen ein wenig zu viel, aber am Ende kann ich sagen, ich habe alles verstanden und es kann weiter gehen, denn es geht weiter. Oxen ist noch lange nicht fertig.

Am Ende hat mich Oxen packen können und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen. Ein toller Auftakt mit interessanten Figuren, dessen Entwicklung einfach klasse eingeflochten ist und raffinierte Intrigen, die einem am Ball halten. Ich bin so sehr gespannt, wie es weitergeht.
 
Henry und ich hatten am Ende ein richtiges Blockbuster-Kopfkino und vergeben dafür vier Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:
   

Jens Henrik Jensen, geboren 1963 in Søvind, Dänemark, hat 25 Jahre lang in der Nachrichtenindustrie gearbeitet, u.a. als Nachrichtenredakteur. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die OXEN-Trilogie ist in Dänemark bereits erschienen und mit 100.000 verkauften Exemplaren ein riesiger Erfolg.

Im April 2017 gewann Jens Henrik Jensen den Danish Crime Award! 

Quelle: dtv Verlag

Oxen-Trilogie:
 
https://www.genialokal.de/Produkt/Jens-Henrik-Jensen/Oxen-Der-dunkle-Mann_lid_33303110.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Jens-Henrik-Jensen/Oxen-Gefrorene-Flammen_lid_33303075.html?storeID=barbers


Erscheinungstermin: 
Teil 2: März 2018 I Teil 3: August 2018


Vielen lieben Dank an den dtv Verlag für dieses Rezensionsexemplar.


Kommentare:

  1. God aften, Inga.
    Skandinavischen Autoren ist gern unterstellt, dass sie sich der unterkühlten & zynischen Note befleißigen. Worte in Hochprozentigem eingelegt, quasi.

    Erklärte Kriegshelden, oder auch nur solche, die einen Krieg überlebt haben, tragen stets solche tiefen Wunden der Psyche in sich. Manche an der Oberfläche, manche in der Tiefe. Oxen scheint hier derjenige zu sein, der die Schnitte mit Drogen am Boden, unten halten will.

    "Zwei wie Hund & Katze" ist ein gern gezücktes Erzählmittel, um uns Figuren näher zu bringen; einfach, weil wir gerne in Schadenfreude beobachten (wann werden sie sich wieder worüber kabeln?!).
    Die frühen "Castle"-Folgen, wir erinnern uns...

    Sollte ich es nicht schon erwähnt haben, die Figur des Cops Jesse Stone (erdacht von Robert B. Parker) ringt mit durchaus ähnlichen Problemen in anmerkenswerten Provinzkrimis; & auch er hat einen Hund. ;-)

    Wie ich sehe hat sich der Chef persönlich zum Fotoshooting bequemt...nachsehen, ob auch alles rund läuft, im Laden... :-)

    bonté

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    1. Servus Robert,

      das gefällt mir, Hochprozentige Worte eingelegt ...hihi... Aber dann hauen Sie nachhaltig rein :D

      Richtig erkannt, Oxen möchte alles unterdrücken und einfach in Ruhe leben, aber das sieht das Leben leider immer anders.

      Ich habe Castle jetzt nicht geguckt, aber beide haben ihre Schäden und das verbindet sie. War auf jeden Fall eine gute Mischung und zwei interessante Fälle.

      Ein Mann und sein Hund, das sollte man wohl nicht unterschätzen :-)

      Der Chef muss doch auch mal wieder auf ein Foto ;-)

      Hab ein schönes Wochenende
      Inga

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